Im Insolvenzverfahren gilt: Wer nicht anmeldet, bekommt nichts. Das ist übertrieben einfach – aber, zumindest im Kern, richtig.
Gläubiger müssen ihre Forderungen aktiv beim Insolvenzverwalter anmelden. Das passiert nicht automatisch.
Wie funktioniert die Forderungsanmeldung?
Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens werden alle bekannten Gläubiger aufgefordert, ihre Forderungen anzumelden. Die Frist steht im Eröffnungsbeschluss. Sie ist keine Ausschlussfrist – wer sie versäumt, ist nicht endgültig draußen. Aber es hat Konsequenzen.
Was muss angemeldet werden?
Wer den letzten Punkt vergisst, verliert den Ausnahmetatbestand nach § 302 InsO.
Der Prüfungstermin
Im Prüfungstermin werden alle angemeldeten Forderungen erörtert. Insolvenzverwalter und Schuldner können widersprechen. Wer nicht bestritten wird, gilt als festgestellt. Die festgestellte Forderung wirkt wie ein Urteil. Soweit so gut – aber nur wenn man vorher alles richtig gemacht hat.
Nachträgliche Anmeldung – möglich, aber nicht kostenlos
Wer die ursprüngliche Anmeldefrist versäumt hat, kann seine Forderung auch noch nach dem ersten Prüfungstermin anmelden. Das Gesetz schließt das nicht aus – § 177 InsO sieht ausdrücklich vor, dass nachträglich angemeldete Forderungen in einem besonderen Nachtragtermin geprüft werden.
Der Haken: Für die Anberaumung dieses Nachtragtermins entstehen zusätzliche Kosten. Nach § 177 Abs. 1 Satz 2 InsO hat der Gläubiger, der die Verzögerung verursacht hat, die dadurch entstandenen Mehrkosten zu tragen. In der Praxis ist das eine überschaubare Gebühr – aber sie kommt hinzu. Und wer sehr spät anmeldet, riskiert außerdem, dass Abschlagsverteilungen bereits stattgefunden haben und er an diesen nicht mehr teilnimmt.
Nachträgliche Anmeldung ist also möglich – aber kein Freifahrtschein. Wer früh anmeldet, ist auf der sicheren Seite. Wer wartet, zahlt drauf.
Rechtsgrundlage: §§ 174 ff., 177 InsO.
